Das Kleid im Wandel der Zeit

Die Vorstellung, in einem anderen Jahrzehnt zu leben, fasziniert mich. Besonders interessant daran finde ich natürlich die Mode dieser Zeiten und wie sie sich entwickelt hat.

Das Kleid zum Beispiel hat in Sachen Silhouette einen interessanten Wandel erlebt. Die Bezeichnung „Kleid“ ist übrigens auf das mittelhochdeutsche Wort „kleit“ zurückzuführen. Ein Kleit war damals einfach ein mit fetter Tonerde (Kleie) gewalktes Tuch, aus dem ein Kleidungsstück hergestellt wurde. Der Schnitt des Kleides hängt und hing immer von den vorherrschenden Vorstellungen von Mode und Moral ab.

Die 20er

Erst in den 20er Jahren wurde das Kleid ein modisches Statement: Das „kleine Schwarze“ von Coco Chanel wurde geboren. Die „Charlestonmode“ in den 20ern brachte schmal geschnittene, knielange Kleider mit losem Oberteil und mit in Hüfthöhe angesetztem Rock hervor. Sie waren einfarbig und sehr schlicht und wurden etwa mit Krawatten, Jabots, bunten Blenden, Schleifen und Gürteln belebt. Was für ein Unterschied zu den Kleidern mit langem Rock und engem Mieder des 19. Jahrhunderts!

Die 30er

In den 30ern wurde die Mode eleganter und weicher. Die Kleider waren körperbetont und flossen am Körper entlang. Der Saum fiel bis zur Wadenmitte, die Taille rutschte nach oben und wurde mit einem schmalen Gürtel betont. Der Oberkörper wurde durch Puffärmel, Rüschen und Falten stärker betont.

Die 40er

Die Kriegszeit der 40er mit dem Zwang, sich praktisch zu kleiden und die Stoffrationierung zu dieser Zeit unterbrach die modische Entwicklung. Viele Frauen nähten zu dieser Zeit ihre Kleider aus abgelegter Männerkleidung selbst. Sie musste sich als praktische Kleidung für alle Anlässe bewähren und ähnelte deshalb oft Militäruniformen.

Die 50er

Erst in den 50er Jahren kam mit der ersten Kollektion von Christian Dior Glanz und Glamour in die Welt der Mode zurück: Der New Look war geboren. Es entstand ein neuer Wohlstand und die Frau durfte einmal mehr ihre Kleidung zur Schau stellen. Der Rockteil war wadenlang und sehr weit geschnitten und wurde über einer Vielzahl von Unterröcken (Petticoat) getragen. Die Oberteile lagen eng an, die Taille wurde betont.

Die 60er

Twiggy ist der Inbegriff der 60er. Das bekannteste Model dieser Zeit prägte das Jahrzehnt mit ihrer schmalen Figur den grossen Augen und ihrem kindlichen, blassen Gesicht, und natürlich mit den Miniröcken, die sie trug. Die Jugend in der westlichen Welt wurde zum gesellschaftlichen Leitbild, die Mode der 40er galt als spiessig. Jetzt wurde der Rock massiv gekürzt, er endete 10cm über dem Knie. Und sogar das englische Königshaus tolerierte Röcke, die 7cm oberhalb der Knie endeten. Die kurzen Blumenröcke wurden über bunten Strumpfhosen zu engen Tops oder transparenten Blusen getragen.

Die 70er

In den 70ern verschwanden Kleiderordnungen immer mehr, die Frau emanzipierte sich und wollte einen Status erreichen jenseits des Sexualobjektes. So verschwand der Mini und der Indien-Look kam mit der Hippie-Welle auf: Die Frau trug weite Kleider und grosse Tücher mit bunten Mustern. Die Westen und Pullover, die dazu getragen wurden, waren gehäkelt.

Die 80er

Die 80er brachten einen neuen Körperkult hervor, man wollte zeigen, was man aus sich gemacht hatte. Aerobic war der Modesport der 80er und brachte sogar einen eigenen Kleidungsstil hervor. Viele Frauen waren überzeugt, dass ihre Eingliederung in die männlich dominierte Arbeitswelt erleichtert würde, wenn sie sich modisch den Männern anpassten. Die Röcke waren kurz und eng, die Schultern wurden mit überbreit gepolsterten Jacketts betont.

Die 90er

Erst in den 90ern begann der grosse Markenkult. Es war die Zeit von Kitsch und Plastik. Alles war synthetisch, von der Musik über die Drogen bis hin zu den Materialien, aus denen die Kleider gemacht wurden. Die Raver prägten mit ihren neonfarbenen Frotteeoutfits das Bild. Der Girlie Look etwa mit Schuluniformen und mädchenhaften Zöpfen entstand.

Und heute?
Meist kann erst Jahre später die Modeströmung eines Jahrzehnts ermittelt werden. Die Jahre 2000 bis 2010 waren geprägt von Naturkatastrophen, Wirtschaftskrise und der starken Entwicklung von Internet und Technik.  Ich bin gespannt, wofür die Nullerjahre in Sachen Mode stehen werden.

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Ein Kommentar

  1. Giulia

    Super interessanter Beitrag, gut recherchiert! =)

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