…schreiben ist küssen mit dem Kopf…

Dieser Satz stammt aus dem Buch „Gut gegen Nordwind“.

Hier beginnt ein Mailverkehr und eine ganz besondere Liebe zwischen zwei Fremden, nachdem Emmi die Kündigung für ihr Zeitschriftenabo fälschlicherweise an die E-Mail-Adresse von Leo schickt. Wer wie ich intelligenten Liebesromanen nicht abgeneigt ist, sollte das Buch unbedingt lesen.

Elektronisch-praktisch oder Eigenhändig-persönlich?

E-Mails sind schnell, praktisch und kostenlos. Und sind uns heute irgendwie am nächsten, wir fühlen uns im Internet zu Hause. Wir teilen unser Befinden auf Facebook mit, lernen neue Leute über Twitter kennen und finden vielleicht sogar unseren Partner im Internet. Lange E-Mails, ein SMS zu später Stunde, MMS satt Postkarte aus den Ferien. Doch wann habt ihr das letzte Mal einen Liebesbrief erhalten? Oder geschrieben?

Das geschriebene Wort hat so viel Kraft. Dabei fällt mir aber auch auf, dass die Farbigkeit der Worte mehr und mehr verloren geht. Chats bestehen nur aus LOL und ROFL, bei twitter können nicht mehr als 140 Zeichen geschrieben werden. Stellt euch einmal einen Brief vor, in dem wir das, was wir zu sagen haben, derart abkürzen. Die gleichen Worte auf Papier haben eine ganz andere Wirkung als am Bildschirm. Eine „Liebes-E-Mail“ wäre irgendwie befremdlich für mich.

Evolution der Langsamkeit

Ich glaube, hier wird bald ein Wandel entstehen. Eine Entschleunigung hat bereits begonnen, immer mehr Menschen nehmen sich bewusst eine Auszeit vom Internet. Ich habe vor kurzen wieder meine alte, manuelle Kamera aus dem Schrank genommen und wieder angefangen, Filme zu belichten. Das Ursprüngliche erhält wieder einen ganz anderen Wert. Ein Pixel ist hart und kantig, unsere Handschrift ist weich und geschwungen.

Ich würde mir wünschen, dass die Post ihren Service nicht weiter einschränkt, sondern diesem Bedürfnis nach der Ursprünglichkeit eines handgeschriebenen Briefes, das sicher nicht nur ich habe, probiert nachzukommen. Würden die Briefe schneller zugestellt, könnten sie mit dem E-Mail Verkehr mithalten. Vielleicht wäre eine Zusammenarbeit mit der SBB denkbar, mehrmals stündlich fährt ein Zug von Bern nach Zürich, ein Brief ist zwei Tage unterwegs. Aber vielleicht gehört auch das zur Entschleunigung: das gespannte Warten auf einen Brief.

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