Es riecht nach Glück

„U plötzlech schmöckts wider wie deheim.“

Meine Lieblingszeile aus dem Züri West Song „Fingt z Glück eim“. Und tatsächlich hängen das Glück und Düfte stark zusammen. Und dort, wo es nach uns riecht, sind wir auch zuhause.

Das menschliche Gehirn speichert Düfte besonders gut und lange. Nichts ist so stark mit Erinnerungen verknüpft wie ein Duft. Und mehr noch, auch Emotionen werden beim Riechen eines bestimmten Duftes geweckt. Dann schliessen wir die Augen und werden in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort zurückversetzt.

Wie riecht der Frühling

Und so hat jeder einen anderen Duft, der für ihn bestimmte Assoziationen weckt. Die üppigen Düfte stehen gerade vor der Türe – an Weihnachten riecht es nach Gebäck, nach Kerzenwachs und Tannenzweigen. Und ich weiss genau, sobald es irgendwo danach riecht, kommt in mir die Weihnachtsstimmung auf.

Jetzt geniesse ich erst den Herbst, ich liebe es, mitten durchs Laub zu stapfen, nicht nur, weil es so schön knistert, sondern weil mich dieser Duft an die Spielnachmittage zu Hause erinnert, meine Mutter hat zusammen mit meinem Bruder und mir Kastanien gesammelt und an den herbstlichen Regentagen sassen wir am Küchentisch und haben Kastanien-Männchen gebastelt. Und eben diese heimelige Stimmung kommt in mir auf, wenn mir der Duft von frisch gefallenem Laub in die Nase steigt.

Und wenn es so richtig kalt und unangenehm ist draussen, brauche ich mir nur kurz die Flasche mit der Sonnencreme unter die Nase zu halten und schon befinde ich mich wieder in meinen letzten Ferien mitten am Strand. Der Sommer riecht für mich nach frisch gemähtem Rasen und wenn sich die ersten Regentropfen auf dem heissen Teer auflösen, fällt mir wieder ein, wie wir Kinder aus unserem Quartier in den grossen Sommerferien barfuss durch die Pfützen gerannt sind und unglaublichen Spass hatten.

Für mich bedeuten Holunderblüten Frühling. Und vermutlich liebe ich den Sirup dieser Pflanze so besonders, weil er mich an unser Ferienhäuschen mitten im Emmental erinnert. Dort stand vor dem Küchenfenster ein riesiger Holunderstrauch und wir haben zusammen Sirup gekocht. Dieses Ferienhaus haben wir mit einer befreundeten Familie geteilt und wir Kinder konnten uns in den Frühlingsferien dort so richtig austoben.

Und wie ich diesen Artikel schreibe und an unser Gelächter und unsere Freude von damals denke, schreibt mir meine Freundin, die Tochter der anderen Familie, eine SMS. Und ich realisiere, wie viel wir von unserer Kindheit mitnehmen. Deshalb sind wohl die meisten Düfte und Geschmäcker eng mit einer Erinnerung aus dieser Zeit verknüpft. Und heute gibts zum Zvieri ein Stück Brot mit einem Riegel Milchschokolade und die kleine Barbara mit den zwei Zöpfchen und den Sommersprossen sitzt für einen kurzen Moment wieder ihrem Grossätti gegenüber, den sie über alles geliebt hat.

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